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Europawahl
Mission Impossible? Katastrophale Europawahlbeteiligung ist logische Konsequenz veralteter Kommunikationskonzepte von EU und Parteien
Experten machen veraltete Kampagnenstrategien, fehlende
Dialogmarketing-Maßnahmen und mangelhafte Kanalintegration für
Europamüdigkeit mitverantwortlich - und empfehlen Institutionen und
Parteien einen intensiven Dialog mit den Wählern
Brüssel, Düsseldorf, 08.06.2009 - Die Wahlwerbung für die
Europawahl ist nicht nur nach einer aktuellen Mini-Studie der
Universität Koblenz/Landau wirkungslos geblieben: Dass die
millionenschweren Wahlaufrufe der EU-Kommission, Videos bei "Youtube" und
andere Werbeprogramme ihr Ziel offensichtlich verfehlt haben, zeigt schon
die historisch niedrige Wahlbeteiligung, die europaweit um 40 Prozent
dümpelt.
"Die EU hat es nicht geschafft, einen Draht zu den Bürgern
aufzubauen", folgerte denn auch der Fraktionschef der Liberalen im
Europaparlament, Graham Watson, gestern im Handelsblatt www.handelsblatt.com:
Brüssel habe sich von den Bürgern "entkoppelt", die
Kommunikationspolitik der EU sei gescheitert. Während Lobbyisten
die Bedeutung des Europaparlaments erkannt hätten ("In Brüssel
arbeiten mehr Interessenvertreter als in Washington"), wendeten sich die
Wähler ab.
Experten empfehlen der Politik daher die Übernahme von klassischen
Kommunikationsstrategien aus der Wirtschaft: "Politik muss heute angeboten
werden wie etwas Kommerzielles, im Grunde ist es egal, ob eine Partei oder
ein Stück Käse beworben wird", so z.B. die Wahlkampfbilanz des
Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Gerd Strohmeier von der TU
Chemnitz.
Der Experte für Massenkommunikation Florian Haarhaus, Deutschlandchef
von Alterian www.alterian.com/de,
dessen Dialogmarketingtechnologie weltweit von Unternehmen für die
individualisierte Massenkommunikation eingesetzt wird, geht noch einen
Schritt weiter: "Die EU muss endlich einen individualisierten Dialog mit
ihren Bürgern aufbauen, in dem individuell gewünschte
Informationen in den jeweils präferierten
Kommunikationskanälen bereitgestellt werden. Denn erst relevante
Informationen schaffen Interesse - und motivieren die Bürger zur
Teilhabe am politischen Willensbildungsprozess", weiß der
Dialogmarketingfachmann.
Dabei gab es durchaus Bemühungen von EU und Parteien, mit den
Wahlbürgern ins Gespräch zu kommen: "Noch nie hat Europa eine so
umfassende Kommunikationsstrategie für eine Wahl gefahren", weiß
z.B. Lutz Meyer, Partner der Werbeagentur Scholz & Friends, der gerade
im Namen der EU 18 Mio. Euro für eine augenscheinlich erfolglose
Europawahlkampagne aus Bürgervideos,
Glasfaser-Großinstallationen, viralen Spots sowie klassischen
Fernsehspots und Plakaten ausgeben durfte.
Noch schlechter erging es Kajo Wasserhövel, Kampagnenleiter der SPD,
der den Europawahlkampf seiner Partei nicht nur in den klassischen
Kanälen, sondern auch im Netz führte: "Die Herausforderung
für Wahlkampfmanager ist, wie die Emotionalisierung im Netz
läuft. Das Web 2.0 bietet hier natürlich ganz andere
Möglichkeiten," sagte er vor der Wahl: "Das Internet wird im Vergleich
zu den vorherigen Wahlkämpfen eine größere Rolle spielen
und ist integraler Bestandteil der Gesamtkampagne", die für seine
Partei mit dem schlechtesten Ergebnis ihrer Geschichte endete.
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